Gibt es Normalwerte für PSA ?

von   letzte Aktualisierung 09. Februar 2008

Von 1993 bis 2003 wurden in einer Multizenter-Studie an 221 USA-Zentren 8575 Männer über 55 Jahre mit einem initialen PSA <3.0 ng/ml und normalem rektalem Tastbefund während 7 Jahren jährlich nachverfolgt. Bei 5587 Männern konnte der Status bezüglich Prostata-Ca mittels Biopsie verifiziert werden und mit dem PSA-Wert, der innerhalb eines Jahres vor der Biopsie bestimmt worden war, verglichen werden.

Bei 1225 Männern (21.9%) wurde ein Prostata-Ca gefunden. In Abhängigkeit vom PSA-Cutoff ergaben sich folgende Sensitivitäten und Spezifitäten:

Die Autoren kamen zum Schluss, dass es keinen PSA-Cutoff gibt, der zu einer simultan hohen Sensitivität und Spezifität führt, sondern dass es viel mehr ein Kontinuum für alle PSA-Werte bezüglich Risiko eines Prostata-Ca gibt.

Allerdings kann aus den Studiendaten entnommen werden, dass die Region auf der ROC-Kurve, wo die Steigung der Tangente
(= Sensitivtät / 1-Spezifität = Likelihood-Ratio) 1 beträgt, bei PSA-Werten um 2 ng/ml liegt.

Mit anderen Worten: Bei PSA-Werten um 2 ng/ml bringt der Test keine zusätzliche diagnostische Information und bei tieferen Werten ist die Likelihood-Ratio <1, d.h. die Wahrscheinlichkeit eines Vortest-Verdachtes wird bei einem PSA <1.5 ng/ml sogar geringer.


Bei PSA-Werten zwischen 3-5 ng/ml erhöht sich das Risiko um ca. einen Faktor 2 und bei Werten zwischen 5-10 ng/ml um ca. einen Faktor 4. Es ist also sicher sinnvoll, bei Werten zwischen 3-10 ng/ml weitere Abklärungen mittels Bestimmung des freien PSA vorzunehmen, so wie es auch in der Eidg. Analysenliste vorgesehen ist.

Thompson I.M. et al., JAMA 294: 66-70; 2005